14. April 2008
11. Tag gegen Lärm - International Noise Awareness Day
Wer nicht hören kann, ist von einem Großteil der Informationen unserer Gesellschaft ausgeschlossen. Mehr als ein Viertel aller Jugendlichen in Deutschland haben bereits irreversible Hörschäden. Alarmierend ist die zunehmende Diagnose von auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen (AVW) bei Kindern. Breitangelegte Aufklärung und eine schon im Kindesalter beginnende Vermittlung von Grundlagen-Kenntnissen können ein Bewusstsein für die Bedeutung des Hörens und die Gefahren einer Schädigung des Gehörs schaffen.
Motivation und ZieleAm 16. April dieses Jahres steht der Tag gegen Lärm unter dem Motto: Schon gehört?
Und er dreht sich um die Umgebungslärmrichtlinie* bzw. die Aktionspläne, die die Schalleinwirkungen durch Verkehrsgeräusche reduzieren soll. Stichworte: Lärmkartierung, Noise Mapping.
In diesem Jahr geht der Tag gegen Lärm in sein 2. Jahrzehnt!
Für die Menschen in Deutschland stellt Lärm immer noch eine der am stärksten empfundenen Umweltbeeinträchtigungen dar. Am häufigsten fühlen sie sich durch Straßenlärm belästigt: In den alten Bundesländern fühlen sich 66%, in den neuen Bundesländern 79% der Bevölkerung durch Verkehrslärm gestört, dicht gefolgt vom Fluglärm.“ [UBA-Berlin 2008]
Das ist seit Jahren bekannt. Einiges hat sich verändert: Es gibt lärmarme Straßenbeläge, leisere Flugzeuge und Reifen, deren Profile "schallfreundlicher" sind. Aber im Gesamtaufkommen nimmt die Belastung eher zu, der Schlaf bleibt nicht ungestört, und neue Untersuchungen weisen deutlich auf Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem. Die Leistungsfähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist betroffen.
Die Lebensqualität leidet. Engagement ist gefragt: Regelungen allein sind nicht die Lösung. Mehr Wissen über Schallbelastung ist notwendig, vor allem darüber, wie man zu starke Schallbelastung vermeiden kann.
Was macht denn den Schall aus, der stört? Wann wird denn der Schall zu Lärm? Aus vielen Untersuchungen geht eindeutig hervor, dass Krach und Lärm ähnlich anderen Stressoren, zu negativen physischen und psychologischen Veränderungen im Menschen führen. Weder der einzelne Mensch noch der Mensch in der Gemeinschaft lässt es länger unhinterfragt über sich ergehen, dass Lärm ein "selbstverständliches Nebenprodukt" der Gesellschaft ist. Tatsächlich ist Straßenlärm der Hauptbeschwerdepunkt der Bevölkerung. Zudem ist Lärm nicht allein neuralgischer Punkt für Erwachsene, sondern insbesondere auch für unsere Kinder.
Das größte Ziel der Aktion Tag gegen Lärm - International Noise Awareness Day besteht darin, Aufmerksamkeit für die Lärmproblematik zu erregen und das Bewusstsein für die Sinneswahrnehmung Hören auszubilden bzw. zu stärken.

Schließlich ist das Hören einer unserer wichtigsten Sinne. Um lange Zeit gut hören zu können bedarf das Gehör einer besonderen Aufmerksamkeit. Heute wissen wir: je früher wir uns um unseren Hörsinn kümmern, desto besser hören wir ein Leben lang.
Experten empfehlen, sich einmal im Jahr Gewissheit zu schaffen, ob das Gehör noch richtig gut funktioniert. Ein Hörtest beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder beim Hörakustiker nimmt nicht viel Zeit in Anspruch und gibt Aufschluss.
Weitere Informationen zum Thema unter:
http://www.tag-gegen-laerm.de http://www.das-leben-klingt-gut.deUmsetzung der UmgebungslärmrichtlinieDas grundsätzliche Ziel der Richtlinie lautet: „Die Gewährleistung eines hohen Gesundheits- und Umweltschutzniveaus ist Teil der Gemeinschaftspolitik, wobei eines der Ziele im Lärmschutz besteht.“ Hierfür ist es notwendig „schädliche Auswirkungen, einschließlich Belästigung, durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern.“
Um dieses Ziel zu erreichen, sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
- Ermitteln der Belastung durch Umgebungslärm anhand von Lärmkarten nach - für die Mitgliedstaaten gemeinsamen – Bewertungsmethoden;
- Sicherstellen der Information für die Öffentlichkeit über Umgebungslärm und seine Auswirkungen;
- Annahme von Aktionsplänen durch die Mitgliedstaaten auf Grundlage der Ergebnisse von Lärmkarten mit dem Ziel, den Umgebungslärm so weit erforderlich und – insbesondere in Fällen, in denen das Ausmaß der Belastung gesundheitsschädliche Auswirkungen haben kann – zu verhindern, zu mindern sowie die Umweltqualität in den Fällen zu erhalten, in denen sie zufrieden stellend ist.
ZeiträumeIn einer ersten Stufe sind für alle Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern bis spätestens zum 30. Juni 2007 Lärmkarten zu erstellen. Dies gilt auch für Orte in der Umgebung von
- Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 6 Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr,
- Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 60.000 Zügen pro Jahr und
- Großflughäfen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 50.000 Bewegungen pro Jahr.
Die Öffentlichkeit ist über die Belastung durch Umgebungslärm und seine Auswirkungen in allgemein verständlicher Weise zu informieren.
Auf der Grundlage der erstellten Lärmkarten sind bis zum 18. Juli 2008 Lärmaktionspläne (Lärmminderungspläne) auszuarbeiten, mit denen „Lärmprobleme und Lärmauswirkungen“ – einschließlich der Lärmminderung – geregelt werden. Bei der Erstellung der Lärmaktionspläne ist die Öffentlichkeit zu beteiligen und über getroffene Entscheidungen zu unterrichten. Hierfür sind angemessene Fristen für jede Phase der Mitwirkung vorzusehen.
In einer zweiten Stufe ist die Lärmkartierung (bis 30. Juni 2012) und Lärmaktionsplanung (bis 18. Juli 2013) auf Ballungsräume mit mehr als 100.000 Einwohnern zu erweitern. Dies gilt auch für Orte in der Umgebung von
- Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 3 Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr,
- Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 30.000 Zügen pro Jahr und
- Großflughäfen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 50.000 Bewegungen pro Jahr.
Quelle:
http://www.umweltbundesamt.deFotos: ReSound